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Aktive und passive Verankerungsbemessung in Köln – Geotechnische Standsicherheit für den Tiefbau

Die Kölner Innenstadt wuchs über Jahrhunderte auf den spätglazialen Niederterrassen des Rheins, wo mächtige Kies-Sand-Wechselfolgen den Untergrund prägen. Jede Tiefbaumaßnahme zwischen Dom und Rheinauhafen muss diese spezifische Stratigraphie berücksichtigen, denn die dicht gelagerten Terrassenkiese liefern zwar hohe Tragfähigkeiten, reagieren aber empfindlich auf Wasserhaltungsmaßnahmen und Aushubverformungen. Für Baugruben mit mehr als 5 m Tiefe, wie sie im Rahmen der Nord-Süd Stadtbahn oder entlang der Ringe üblich sind, wird die Wahl zwischen aktiven und passiven Verankerungssystemen zur zentralen geotechnischen Fragestellung. Das Labor ermittelt dafür die maßgebenden Bodenkennwerte – von der Mantelreibung im Kies bis zur Kohäsion in eingelagerten Tonlinsen. Eine präzise Bemessung verhindert unzulässige Verformungen an Nachbarbauwerken, die in der dicht bebauten Kölner Altstadt oft nur wenige Meter von der Verbauwand entfernt stehen. Ergänzend zur Ankerbemessung führen wir bei Bedarf eine Korngrößenanalyse durch, um die Filterstabilität zwischen Injektionsgut und anstehendem Boden sicherzustellen.

Die Tragfähigkeit eines Verpressankers im Kölner Terrassenkies wird maßgeblich durch das Injektionsverfahren und die Nachverpresszyklen bestimmt – nicht allein durch die Bodenart.

Methodik und Umfang

Ein typischer Fall aus der Praxis: Beim Aushub für ein siebengeschossiges Bürogebäude am Kölner Rheinufer, nur 80 Meter vom Fluss entfernt, stand der Grundwasserleiter bereits bei 3,20 m unter GOK an. Die Baugrubensicherung erforderte eine rückverankerte Spundwand mit aktiven Litzenankern, die in den tragfähigen Terrassenkies einbinden mussten. Unsere Laboruntersuchungen konzentrierten sich auf die Bestimmung des effektiven Reibungswinkels und der Steifemoduln für den Nachweis der inneren und äußeren Standsicherheit. Die Verpresskörper der Anker wurden auf eine freie Länge von 8 m ausgelegt, wobei die Krafteinleitung hinter dem Gleitkeil nach DIN 4085 sicherzustellen war. Passive Anker – korrekterweise als Verpresspfähle oder Dübel bezeichnet – kamen im südlichen Baufeld zum Einsatz, wo eine unterirdische Fernwärmetrasse den Verankerungsraum einschränkte. Die Herausforderung lag hier in der Aktivierung der Mantelreibung unter geringen Relativverschiebungen, was eine detaillierte Spannungs-Dehnungs-Analyse nach der Methode der Finiten Elemente erforderte.
Aktive und passive Verankerungsbemessung in Köln – Geotechnische Standsicherheit für den Tiefbau

Lokale Besonderheiten

Die Prüfausrüstung für die Ankerbemessung umfasst einen servohydraulischen Spannzylinder mit 2.000 kN Kapazität, der über eine kalibrierte Kraftmessdose und drei unabhängige Wegaufnehmer die Last-Verformungskurve aufzeichnet. In Köln steht das Gerät oft auf engstem Raum zwischen Bestandsfundamenten, wo eine exzentrische Lasteinleitung unbedingt zu vermeiden ist. Das größte Risiko ergibt sich aus nicht erkannten Hohlräumen im Kieskörper, die während der Injektion zu einem plötzlichen Druckabfall führen – der Verpresskörper wird dann unkontrolliert groß, ohne die geforderte Mantelreibung zu mobilisieren. Auch der Kurzzeitfestigkeitsverlust bei schnell wechselnden Rheinwasserständen, die im Mittel um 3,20 m schwanken, kann die wirksame Vertikalspannung und damit den Ankerwiderstand reduzieren. Ein weiteres Gefahrenpotenzial liegt in der Sulfatführung des Grundwassers, die bei ungeeigneter Zementwahl zu Treiberscheinungen im Verpresskörper führt.

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Geltende Normen

DIN EN 1997-1:2014-03 (Eurocode 7 – Entwurf, Berechnung und Bemessung), DIN EN 1537:2014-07 (Ausführung von Arbeiten im Spezialtiefbau – Verpressanker), DIN 1054:2021-04 (Baugrund – Sicherheitsnachweise im Erd- und Grundbau), DIN 4085:2017-08 (Baugrund – Berechnung des Erddrucks), DIN 50929-3:2018-03 (Korrosionswahrscheinlichkeit metallischer Werkstoffe bei äußerer Korrosionsbelastung)

Zugehörige Fachleistungen

01

Baugrunderkundung für Ankerbemessung

Durchführung von Kernbohrungen und Rammsondierungen zur Erkundung der Terrassenkiese und Bestimmung der Lagerungsdichte als Basis für die Mantelreibungsansätze.

02

Laborversuche zur Bodenmechanik

Triaxialversuche und Rahmenscherversuche zur Ermittlung der effektiven Scherparameter φ‘ und c‘ sowie der Steifigkeit des Verankerungshorizonts.

03

Eignungs- und Abnahmeprüfungen

Ausführung von Zugversuchen an Injektionsankern nach DIN EN 1537 mit elektronischer Messwerterfassung und Auswertung des Kriechverhaltens.

04

Standsicherheitsnachweise nach EC7

Erstellung der Nachweise für die innere und äußere Tragfähigkeit, Versagen des Verpresskörpers und Geländebruch unter Berücksichtigung der Kölner Grundwasserverhältnisse.

Typische Parameter

ParameterTypischer Wert
Prüfnorm AnkerbemessungDIN EN 1997-1 (EC7) mit DIN 1054
AusführungsnormDIN EN 1537:2014-07
Prüflast (Eignungsprüfung)1,25 × Bemessungswiderstand Ra,d
Freie Stahllänge≥ 5,0 m hinter Gleitkeil
Mindestabstand Anker1,5 m (Litzenanker im Kies)
Zulässige Korrosionsrate< 0,02 mm/a (DIN 50929)
Kriechmaß ks (Dauerstandsversuch)≤ 2,0 mm (Klasse B nach DIN EN 1537)

Häufige Fragen

Welche Kosten sind für die Bemessung und Prüfung von Verpressankern in Köln zu erwarten?

Die Kosten für die geotechnische Untersuchung und Eignungsprüfung eines Verpressankers liegen je nach Umfang und Zugangssituation zwischen €990 und €3.210. Dieser Rahmen umfasst die Laborversuche zur Bestimmung der Bodenkennwerte sowie die Prüfprotokolle nach DIN EN 1537. Der genaue Betrag hängt von der Anzahl der Prüfanker und der erforderlichen Messtechnik ab.

Was ist der Unterschied zwischen einem aktiven und einem passiven Anker?

Ein aktiver Anker wird planmäßig vorgespannt und überträgt die Zugkraft sofort auf den Verpresskörper, sodass die Verbauwand aktiv gegen den Boden gedrückt wird. Ein passiver Anker – fachlich ein Verpresspfahl oder Dübel – entwickelt seine Kraft erst durch Relativverschiebungen zwischen Bauteil und Boden. Bei beengten Platzverhältnissen in Köln kommen passive Systeme zum Einsatz, wenn Verformungen tolerierbar sind und keine Vorspannung aufgebracht werden kann.

Welche Normen sind für Verpressanker in Deutschland verbindlich?

Die Bemessung erfolgt nach DIN EN 1997-1 in Verbindung mit DIN 1054, während die Ausführung und Prüfung in der DIN EN 1537:2014-07 geregelt ist. Für die Erddruckermittlung gilt DIN 4085. Diese Normen verlangen Eignungsprüfungen an mindestens drei Ankern je Bodenschicht sowie Abnahmeprüfungen an jedem Daueranker.

Wie lange dauert eine Eignungsprüfung für einen Litzenanker?

Eine vollständige Eignungsprüfung nach DIN EN 1537 erstreckt sich über mindestens 48 Stunden, da das Kriechmaß in mehreren Laststufen mit Haltezeiten von 15 bis 60 Minuten gemessen wird. Bei Tonlinsen im Kölner Untergrund können längere Konsolidierungszeiten erforderlich sein, sodass der Prüfzeitraum auf 72 Stunden ausgedehnt wird.

Standort und Servicegebiet

Wir betreuen Projekte in Cologne und seinem Großraum.

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