Ein verbreiteter Fehler bei Bauprojekten im Kölner Raum ist die Annahme, dass die flache Rheinterrasse keine standfestigkeitskritischen Böschungen hervorbringt. Tatsächlich führen die bis zu 15 Meter mächtigen Hochflutlehme und die darunter lagernden Terrassenkiese bei ungesicherten Baugruben oder Geländesprüngen immer wieder zu gefährlichen Rutschungen, sobald der Porenwasserdruck ansteigt. Eine belastbare Böschungsstabilitätsanalyse, die wir auf Basis von Laborwerten aus Korngrößenanalyse und Triaxialversuch durchführen, verhindert Verzögerungen und Haftungsrisiken, die aus unzureichender Erkundung entstehen. Gerade im Kölner Süden, wo der Lehmhorizont oft von sandigen Zwischenlagen durchzogen ist, muss das Bruchkörpermodell die tatsächliche Schichtung exakt abbilden – pauschale Kennwerte reichen hier nicht aus.
Unsere Berechnungsmodelle integrieren die nach DIN EN 1997-1 ermittelten Scherparameter und berücksichtigen den Einfluss des schwankenden Grundwasserspiegels, der in Köln je nach Rheinpegel um mehrere Meter variieren kann. Nur so lassen sich sowohl Kurzzeit- als auch Langzeitstandsicherheiten verlässlich prognostizieren.
Die Standsicherheit einer Kölner Baugrubenböschung hängt weniger von der Kiesfestigkeit als von der Kohäsion des überlagernden Hochflutlehms ab.
Methodik und Umfang
Lokale Besonderheiten
Der geologische Untergrund Kölns – insbesondere die quartären Lockergesteine der Niederterrasse – birgt ein spezifisches Risikoprofil, das bei der Böschungsstabilitätsanalyse penibel zu würdigen ist. Die bindigen Hochflutlehme neigen bei Überkonsolidierung zu Trennflächengefügen, die bei Entlastung durch Aushub progressive Scherversagen einleiten können, während die liegenden Terrassenkiese unter hydraulischem Gradienten zu Erosionsvorgängen und innerer Suffosion neigen. Ein weiteres Problem in Köln sind die oft nur unvollständig dokumentierten Altverfüllungen und mittelalterlichen Kelleranlagen im Innenstadtbereich, die als Schwächezonen die Geometrie des maßgebenden Gleitkreises verändern. Unsere Standsicherheitsberechnungen für Köln berücksichtigen deshalb stets einen konservativen Ansatz für die Restscherfestigkeit aufgeweichter Horizonte und beziehen die Ergebnisse der Sondierungen aus dem Vorfeld mit ein, um keine unerkannte Störung im Untergrund zu übersehen.
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Geltende Normen
DIN EN 1997-1:2014-03 (Eurocode 7: Entwurf, Berechnung und Bemessung in der Geotechnik), DIN 1054:2021-04 (Baugrund – Sicherheitsnachweise im Erd- und Grundbau), DIN 18122-1:2020-11 (Baugrund, Untersuchung von Bodenproben – Zustandsgrenzen), DIN EN ISO 17892-9 (Geotechnische Erkundung und Untersuchung – Triaxialversuch)
Zugehörige Fachleistungen
Klassische Grenzgleichgewichtsanalyse
Lamellenverfahren nach Bishop und Morgenstern-Price für rotationsförmige und polygonale Gleitflächen, parametrisiert mit wirksamen Scherparametern aus dem Rahmenscher- oder Triaxialversuch.
FEM-basierte Spannungs- und Deformationsanalyse
Numerische Simulation mit Stoffmodellen wie Hardening Soil, um das Last-Verformungsverhalten von Baugrubenböschungen in Köln wirklichkeitsnah abzubilden und Interaktionen mit Nachbarbebauung zu erfassen.
Grundwassermodellierung für Böschungen
Sickerlinienermittlung und transiente Strömungsberechnung, um den Einfluss von Rheinhochwasser oder Starkregen auf den Porenwasserdruck und damit auf die Standsicherheit zu quantifizieren.
Scherparameter-Bestimmung im Labor
Durchführung konsolidierter, drainierter (CD) und undrainierter (CU) Triaxialversuche sowie direkter Scherversuche an ungestörten Proben aus dem Kölner Hochflutlehm und Terrassensediment.
Typische Parameter
Häufige Fragen
Wie unterscheidet sich die Böschungsstabilitätsanalyse für Kölner Baugruben von der für natürliche Hanglagen?
Bei Baugruben in Köln dominiert die kurzfristige Standsicherheit des bindigen Hochflutlehms, weshalb wir mit undrainierten Scherparametern aus CU-Versuchen rechnen müssen. Natürliche Hänge erfordern dagegen eine Langzeitbetrachtung mit drainierten Parametern, da die Kohäsion durch Austrocknungsrisse und zyklische Grundwasserschwankungen allmählich abgebaut wird.
Welche Teilsicherheitsbeiwerte sind nach Eurocode 7 für eine Böschungsstabilitätsberechnung in Köln anzusetzen?
Gemäß DIN EN 1997-1 in Verbindung mit DIN 1054 wenden wir für den ständigen Lastfall die Beiwerte nach Bemessungssituation BS-P an: γ_G=1,00 auf ständige Einwirkungen, γ_Q=1,30 auf veränderliche Einwirkungen und γ_φ=1,25 auf den Reibungswinkel sowie γ_c=1,25 auf die Kohäsion. Bei temporären Bauzuständen (BS-T) reduzieren wir die Sicherheit auf γ_φ=1,15 und γ_c=1,15.
